Southern Cutters

Kolumbianische Street Art im Bremer kunst- und kulturverein spedition

Gabriel García Márquez begrüßt seit diesem Sommer die Besucher*innen des Bremer Güterbahnhofes als 6 Meter hohes Wandbild.

Die Street Art Künstler*innen DJ Lu aka Juegasiempre, Erre, Lesivo und Toxicómano aus Bogóta, Kolumbien gastierten im Juni im kunst- und kulturverein spedition und arbeiteten an der Fassade des ehemaligen Bürogebäudes der Spedition Rosebrock, wo heute der Eingang zu den Ausstellungs- und Veranstaltungsräumen der spedition ist: Über die Gleise auf das Gelände kommend, sind die Wandbilder sofort sichtbar und markieren den Zugang zum Güterbahnhof.
Auch rund um die spedition finden sich seitdem neue Werke, die den vier Künstler*innen zuzuordnen sind sowie ihren Freund*innen aus Bremen von Super8.

Bei ihrem einwöchigen Besuch im kunst- und kulturverein spedition haben DJ Lu aka Juegasiempre, Erre, Lesivo und Toxicómano nicht nur an den Fassaden gearbeitet, sondern auch vor Ort Werke gesprüht und gedruckt. Daraus ist die Ausstellung „Southern Cutters“ entstanden, die im Rahmen des diesjährigen Güterbahnhof Open noch einmal zu sehen sein wird. Zu der Ausstellung gehören Stencils und klassische Street Art Motive wie auch die zwei über sechs Meter hohen Wandgemälde.

Mit dem Porträt von Gabriel García Márquez ist ein Stück kolumbianische Geschichte an der Fassade des Gebäudes entstanden. García Márquez war als überzeugter Linker und Anhänger sozialistischer Ideen politisch und journalistisch aktiv, was sich auch in seiner literarischen Arbeit spiegelt: Das Abenteuer des Miguel Littín beschreibt die Repressionen, die die Menschen unter der Diktatur von Augusto Pinochet in Chile erleiden mussten. Nachricht von einer Entführung handelt von der Entführung von Zivilisten durch die kolumbianische Drogenmafia.
Der Künstler Toxicómano sagt: „Gabriel Garcia Marquez ist der wichtigste kolumbianische Schriftsteller, dessen politischer Aktivismus in seinen Büchern deutlich wird. Deshalb ist er für mich eine inspirierende Person. Das Bild, das ich gesprüht habe, zeigt den Schriftsteller mit einem blauen Auge, das er in einer Auseinandersetzung von seinem Schriftstellerkollegen Mario Vargas Llosa bekam“.

Auf dem Wandbild auf der anderen Seite ist Toxicomanós Sohn auf seinem ersten Konzert zu sehen. Das haben uns Toxicómano und Erre erzählt. So geht Geschichten erzählen. Umgesetzt hat das Mural die Street Art Künstlerin Erre, die das Bild kombiniert mit den Themen ihrer Arbeiten, die inspiriert sind von der lateinamerikanischen Ausprägung von Punkrock und ihrer Auseinandersetzung mit ihrer Rolle als Frau in einer männerdominierten Gesellschaft und auch Street Art Szene.

Unter trinkenden, sich zu prostenden Toten-Skeletten steht mehrfach „¡bebe y lucha!“. Mit „trinke und kämpfe“ lässt sich das übersetzen; bebé meint im spanischen aber auch Baby, was wie im englischen als Kosewort genutzt wird. Lucha ist der Kampf, die Kriegsführung, das Ringen. Gerungen wird hier mit Machismo und mit Verweisen auf lateinamerikanische Kultur, wie die populären Motive des Totenkult des Día de los Muertos in Mexiko oder auch der Wrestling-Maske auf dem T-Shirt des abgebildeten Jungen. Lucha libre ist die Bezeichnung für eine professionelle Form des Wrestling. Ganz selbstverständlich fügt Erre aggressive feministische Positionen in dieses Bild: „Highly Explosive“ ist auf dem Aufnäher der Jacke ihrer Punkrockerin zu lesen.

In der Ausstellung sind Arbeiten aller vier Künstler*innen zu sehen.

Öffnungszeiten der Ausstellung:
Samstag, 25.08.2018: 17h – 21h
Sonntag, 26.08.2018: 14 ­– 18h

Das gesamte GB-Open Programm ist zu finden unter: www.gb-open.de

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